Mittwoch, 28. Juni 2017
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Am Unterlauf der Nidder, nordöstlich von Frankfurt, liegt das Dorf Niederdorfelden in die Flussauen eingebettet.

5000 v. Chr.

Funde von Gebäude- und Gefäßresten sowie von Gräbern aus der Jungsteinzeit.

400 v. Chr.

Keltische Ansiedelungen der frühen La-Tène-Zeit.

768 n. Chr.

Die erste urkundlich gesicherte Nachricht vom Bestehen Dorfeldens entstammt dem berühmten Kloster Lorsch an der Bergstraße. Am 30. August des Jahres 768 erhielt das Kloster ein Geschenk des Franken Isinhart. Dabei wurden 10 Morgen Ackerland im Dorfe Turinvelde an das Kloster übergeben. Unter den 3.600 Urkunden in der Lorscher Handschrift ist diese Nachricht eine der Frühesten. (weiterlesen...)

Am Rande des Dorfes liegt in den Nidderauen eine Wasserburg auf künstlichem Hügel, der Stammsitz der Grafen von Hanau.

1234

Diese Burg wird erstmals 1234 genannt, als Reinhard III. von Dorfelden, im Rahmen einer Erbteilung, die Burg seinem Bruder Heinrich überträgt.

1254

Reinhard III. nennt sich in einer späteren Urkunde von 1254 "Reinhardus de Hagenowe". Die Herren von Dorfelden hatten im Jahr 1143 die Burg Hanau erbaut und nannten sich seit damals "von Hanau".

1266

1266 wird erstmals auch die Mühle zur Burg gehörend erwähnt. Der kaiserliche Hofkämmerer Phillip von Falkenstein gibt die halbe Burg und die Hälfte der Mühle dem Stift Fulda zu Lehen. Dieses Datum, der 4. Oktober 1266, ist wohl die älteste Nennung einer Mühle im Main-Kinzig-Kreis.

Im Zusammenhang mit der Stammburg der Grafen von Hanau erhält sie besondere Bedeutung und ist wohl mit der Burg im 12. Jahrhundert erbaut worden. Für die Versorgung der Burgmannschaft war eine Mühle unabdingbar. Noch heute wird der Wassergraben der Burg vom Mühlgraben gespeist. Die Mühle war als Erbleihmühle bis in das 19. Jahrhundert eine gute Einnahmequelle für ihre gräflichen Besitzer. Die Dörfer Bischofsheim, Bergen und Gronau waren zur Mühle gebannt, d. h. sie durften ihr Getreide nur in dieser Mühle mahlen lassen und mussten bei Reparaturarbeiten an der Mühle Frondienste leisten. Dies sicherte sowohl dem Müller als auch dem Lehensherrn Einnahmen.

1368

Ulrich III. von Hanau erhält von Kaiser Karl IV. eine Stadtrechtsurkunde, in der er Niederdorfelden die Freiheiten und Rechte von Hanau verleiht:
"1368 Feb. 6 Frankfurt uff dem Meune. Gibt dem edeln Ulrich von Hanau, seinem Landvogt in der Wetterau, in seinen Dörfern Marköbel, Bruchköbel, Dorfelden und Schafheim alle Freiheiten und Rechte, die er zu Hanau und Windecken hat, also dass er Städte und Märkte in ienen Dörfern machen und sie befestigen möge. Hanau-Minzenberg."
(Niederdorfelden bleibt aber weiterhin ein Dorf)

1480

Die Grafen von Hanau erhielten durch Heirat im 15. Jahrhundert europäische Bedeutung. Das Geschlecht der Grafen von Lichtenberg im Unter-Elsaß, das mehrere bedeutende Straßburger Bischöfe hervorgebracht hatte, erlosch 1480 mit Jakob von Lichtenberg. Die Hälfte seiner Grafschaft ging an einen seiner beiden Schwiegersöhne, Graf Phillip von Hanau.

Er erhielt neben dem rechtsrheinischen Amt Lichtenau die elsässischen Ämter Buchsweiler, Pfaffenhofen, Westhofen, Wolfisheim und Hatten. 1570 kamen noch die Ämter Brumrath, Ingweiler, Oberbronn, Offendorf, Wörth und die Herrschaft Ochsenstein hinzu. Dazu noch das rechtsrheinische Amt Willstätt und das Amt Lemberg in der Pfalz mit Pirmasens. Die Residenz der Grafenschaft Lichtenberg war Buchsweiler.

Die Grafen von Hanau nannten sich seit 1480 "von Hanau-Lichtenberg".

1621

Der 30jährige Krieg. Niederdorfelden wurde ausgeplündert. (weiterlesen...)

1680

Ab 1680 lagen ihre Lichtenberger Lande unter französischer Oberhoheit, unter der sie ihre Landesherrschaft allerdings weiter ausübten. Sprachliche, kulturelle und religiöse Verbindungen blieben zwischen "Hanauer Land" und Hessen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts bestehen.

Ausgang dieses Geschehens war die Wasserburg in Niederdorfelden und ihre Mühle, die noch heute sichtbaren Bestand haben, den es zu erhalten gilt.

1763

Durch einen Erbleihbrief erwirbt der Müller Georg Andreas Sommerlad die Mühle in Niederdorfelden.

1870

Die Öl-Mühle wird nicht mehr betrieben. Das Gebäude dient als Abstellkammer.

1933

Wilhelm Lind übernimmt die Mühle von Karl Sommerlad.

1956

Die Getreide-Mühle im Nachbargebäude wird endgültig stillgelegt.

1980

Das Wasserrad und das Getriebe wird von Manfred Britz zur Stromerzeugung umgebaut.

1993

Der Historiker Rolf Hohmann aus Nidderau machte schon 1993/1994 in zahlreichen Presseartikeln auf die Geschichte von Burg und Mühle in Niederdorfelden aufmerksam. Dies war Anlass sich mit der Mühle zu beschäftigen.

2001

Im Jahr 2001 wollte der "Hessische Landesverein zur Erhaltung und Nutzung von Mühlen (HLM) e.V." sein 10 jähriges Bestehen mit einer praktischen Aktion zur Mühlenerhaltung begehen. Die Wahl fiel auf die Ölmühle in Niederdorfelden.

Mit Erlaubnis und unter Mitarbeit des Besitzers Manfred Britz wurde die Mühle am 30. Juni 2001 entrümpelt. Zum Vorschein kam die Ölmühle mit Kollergang, Stempelpresse und ein Steinmahlgang.

Dipl. Ing. Erich Seipp aus Bad Vilbel fertigte eine erste Bauskizze. Es verfestigte sich der Entschluss, die Mühle unbedingt zu erhalten. 

Zu diesem Zweck wurde der Förderverein Ölmühle im September 2001 gegründet, mit dem Ziel, die Mühle zu restaurieren und der Öffentlichkeit als Museum zugänglich zu machen.
Der geschichtliche Zusammenhang von Mühle und Wasserburg soll erforscht und schriftlich dokumentiert werden. Vorsitzender des Fördervereins, der bereits zu Beginn 40 Mitglieder hatte, wurde Bürgermeister a.D. Wilfried Schneider. Karl-Heinrich Schanz wurde zum Beauftragten für die Restaurierung der Ölmühle benannt, diese erfolgt nun seit 2002.