Dienstag, 17. Oktober 2017
Die Historie der Ölmühle Drucken

Die Anfänge

Das niederadlige Geschlecht der „Herren von Dorfelden“ hatte wahrscheinlich bereits in der Mitte des 12. Jahrhunderts die Wasserburg erbauen lassen. Um die Burgmannschaft mit den so wichtigen Getreideerzeugnissen zu versorgen, wurde am unmittelbaren Zugang zur Burg eine Mühle errichtet. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Mühle 1266, als der Hofkämmerer Philipp der Ältere die halbe Burg und die halbe Mühle dem Stift Fulda zu Lehen gab. In den folgenden Jahrhunderten taucht die „molen zu nydern dorfelden“ öfter in Grundstücksüberschreibungen auf.

Die umliegenden Gemeinden Niederdorfelden, Gronau, Bergen und Bischofsheim waren auf die Mühle „gebannt.“ Dieser „Mühlenbann“ bedeutet, dass die benannten Ortschaften ihr Getreide nur in dieser Mühle mahlen lassen durften. Der Müller war verpflichtet, mit einem Fuhrwerk zweimal wöchentlich in diese Dörfer zu fahren, Getreide abzuholen und Mehl auszuliefern. Der Molter (Lohn des Müllers) betrug 1/16 des angelieferten Getreides. Zudem mussten die Bewohner dieser Dörfer Frondienste für den Erhalt der Mühle leisten, wie z.B. Mühlsteine und Schaufelbretter heranfahren.

Müller wurden vom Volk oft nicht sehr hoch geachtet. Warum? Nun, man gab einen Sack Getreide ab und bekam viel weniger zurück. Niemand konnte nachprüfen, ob der Müller seinen ihm rechtmäßig zustehenden Anteil genommen hatte oder noch mehr. Außerdem standen Mühlen, wie in Niederdorfelden auch, abseits des Dorfes. Der Müller führte somit ein Leben, das von den Bauern nicht so ohne weiteres eingesehen werden konnte. Zudem ließ er das Wasserrad oft auch nachts laufen, wenn „rechtschaffene Leute“ in ihren Betten lagen. Deshalb mag der Besitz häufiger als bei anderen Berufen gewechselt haben. Auch das vom Müller zu zahlende, aber nicht immer aufzubringende „Pachtkorn“ führte mitunter zur Aufgabe des Betriebs.

 
Georg Andreas Sommerlade

In einer Bescheinigung des Pfarrers Diderich Wasserhuhn von Kaufungen vom 05.11.1750, heißt es:
„Vorzeiger dieses, Meister Georg Andreas Sommerlade, und dessen Ehefrau, sind glieder unserer nach Gottes Gebot, Reformierte Christl. Kirchen. Haben sich als solche alhier bey dem offentlichen Gottesdienste und gemäß des hgl. Abendmahls fleißig und andächtig eingefunden; weniger nicht christl. und ehrbarlich aufgeführet, so dass Ihnen die Vorrechte der Kirchen, besonders auch der Zugang zum hgl. Abendmahl ungehindert gestattet werden können; Welches hiermit attestiren sollen und wollen. Oberkaufungen, den 5. Novembr. 1750.“

Im Jahr 1763 erhielt der Müller Georg Andreas Sommerlade aus dem nordhessischen Kaufungen einen Erbleihbrief von „Maria Gebohrene Königliche Prinzessin von Grossbritannien,Vermählte Landgräfin zu Hessen, Fürstin zu Hersfeld, Gräfin zu Catzenellenbogen[…].“ Zum Preis von 3.475 Gulden und einer Jahrespacht von „80 4/8 Korns guter, dürrer, sauberer marktgängiger Frucht“ wurden Sommerlade und dessen Nachkommen mit der „zu Niederdorfelden gelegenen Mahl Mühle, welche in drey Mahl- und Einem Öhlgang bestehet“ belehnt.

"Erb Leihe Brief von Georg Andreas Sommerlade über die Herrschaftliche Mühle zu Niederdorfelden"

In einer Inventarliste von 1763 wird die heutige Ölmühle wie folgt beschrieben:

Ein Bau rechter Hand der Nidder gegen die alte Burg zu 38 Fuß lang 24 Fuß breit, so noch neu und von Maurer arbeit noch nicht ausgeführt, hat unten eine kleine Stube, einen Röst Offen mit eisernen Blatten, in der 2ten Etage Zwey Kammern. An demselbst findet sich ein alt Wasserrad ohne Schaufeln und ohne Bretter.

Hieraus ist zu entnehmen, dass das Gebäude der Ölmühle zu dieser Zeit errichtet wurde und noch nicht fertig ausgebaut war. Der Getreidemahlgang war schon vorhanden und wurde 1766 mit einer Datierung versehen. Die Jahreszahl 1799 am Pressbaum und auch über dem Eingang des Gebäudes legt die Vermutung nahe, dass bis zur endgültigen Fertigstellung des Gebäudes und zur Einrichtung des Ölmahlganges noch einige Jahre verstrichen.

Das gesamte Mühlenensemble mit Ölmühle, mehreren Getreidemahlgängen und dem Hauptgebäude verblieb bis heute im Besitz der Nachkommen des Müllers Sommerlade. Die Ölmühle wurde nur bis Ende des 19. Jahrhunderts betrieben.

 
das 20. Jahrhundert


Die Mühle im Jahr 1913. Links die Getreidemühle, die auch  Wohn- und Arbeitshaus war. In der Mitte der Wasserlauf, der die vier Mühlräder antrieb. Rechts die alte Ölmühle

 

Ein Wasserrad der ehemaligen Getreidemahlgänge läuft noch heute und speist jährlich zwischen 80.000 und 100.000 kWh in unser Stromnetz. Dies entspricht ungefähr dem Jahresbedarf von 28 Haushalten.



Der Maschinenraum
Der Auslauf des Wasserrades im Winter. Bei klirrender Kälte droht das Wasserrad einzufrieren.

Das Wasserrad

 
der Stammbaum

Der Stammbaum der Müller seit Johann Henrich Sommerlade

Manfred Britz
* 26.09.1946 Hochstadt Alter
+ 29.05.2009 Niederdorfelden 62
Anton Britz Marianne Lind
* 20.03.1913 Pelm Alter * 04.08.1925 Niederdorfelden
Alter
oo 02.10.1945 Niederdorfelden 32 oo 02.10.1945 Niederdorfelden
20
+ 02.11.1998 Niederdorfelden 85 + 06.02.2003 Niederdorfelden 77
Wilhelm Lind Anna Sommerlade
* 05.04.1900 Hochstadt Alter * 03.02.1901 Niederdorfelden
Alter
oo 04.03.1923 Niederdorfelden 22 oo 04.03.1923 Niederdorfelden
22
+ 24.08.1968 Niederdorfelden 68 + 02.11.1963 Niederdorfelden 62
Karl Sommerlade Susanne Stein
* 22.01.1873 Niederdorfelden Alter * 29.04.1879 Wachenbuchen
Alter
oo 08.10.1898 Niederdorfelden 25 oo 08.10.1898 Niederdorfelden
19
+ 10.10.1933 Niederdorfelden 60 + 25.07.1954 Niederdorfelden 75
Jakob Sommerlade Maria Wilhelmine Hofmann
* 05.10.1844 Niederdorfelden Alter * 01.04.1848 Niederdorfelden
Alter
oo 03.11.1872 Niederdorfelden 28 oo 03.11.1872 Niederdorfelden
24
+ 05.02.1901 Niederdorfelden 56 + 30.01.1926 Niederdorfelden 77
Johann Wilhelm Sommerlade Susanne Schneider
* 14.03.1811 Niederdorfelden Alter * 01.06.1810 Kilianstädten
Alter
oo 05.10.1833 Niederdorfelden 22 oo 05.10.1833 Niederdorfelden
23
+ 01.07.1882 Niederdorfelden 71 + 28.06.1892 Niederdorfelden 82
Johannes Caspar Sommerlade Anna Chatharina Henkel
* 27.03.1769 Niederdorfelden Alter * 11.07.1786 Bad Vilbel
Alter
oo 07.01.1808 Niederdorfelden 38 oo 07.01.1808 Niederdorfelden
21
+ ? ? + 30.06.1816 Niederdorfelden 29
Johann Christian Sommerlade Anna Maria Jost
* 11.07.1745
Oberkaufungen Alter * 30.08.1742
Niederdorfelden
Alter
oo 22.01.1767 Niederdorfelden 21 oo 22.01.1767 Niederdorfelden
24
+ 19.02.1795 Niederdorfelden 49 + 21.05.1801 Niederdorfelden 58
Georg Andreas Sommerlade Catharina Elisabeth Krug
* 16.06.1709
Wolfershausen
Alter * 08.09.1716
Kassel-Unterneustadt
Alter
oo 23.02.1741
Kassel-Unterneustadt
31
oo 23.02.1741 Kassel-Unterneustadt 24
bis 1750
Müller in Oberkaufungen
41




1751-63
Müller in Hanau

+
17.11.1761
Hanau
45
ab 1764
Müller in Niederdorf.
53

+ 20.06.1773 Niederdorfelden 64



Johann Henrich Sommerlade Anna Maria Schirmer
*
Wolfershausen
Alter * 1666
Gießen
Alter
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Soweit bekannt die Ahnentafel des letzten Müllers Manfred Britz:


Soweit bekannt die Nachfahren von Johann Henrich Sommerlade:

 


Einen besonderen Dank für die Zusammenstellung des Stammbaumes geht an Bernhard Sommerlade, einem Nachfahren des Müllers Georg Andreas Sommerlade