Dienstag, 17. Oktober 2017
Restaurierung der Ölmühle Drucken

Am Rande der Hofreite der Familie Britz, jenseits des Mühlgrabens, befand sich um die Jahrtausendwende ein kleines, stark beschädigtes Fachwerkgebäude. Nur wenigen Einwohnern und einer Hand voll Denkmalschützer war bekannt, dass hier ein historisches Kleinod mit überörtlicher Bedeutung verfiel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In seinem Inneren stapelte sich alles, was in einem Landwirtschafts- und Mühlenbetrieb über Generationen hinweg vorübergehend entbehrlich war, gleichwohl wert schien, aufgehoben zu werden – und das bis fast unter das löchrige Dach.

Es handelte sich um das Gebäude der früheren Ölmühle, die einmal Bestandteil der örtlichen Getreidemühle war.

Der Bad Vilbeler Architekt Erich Seipp konnte der Entwicklung nicht tatenlos zusehen und brachte mit der Kontaktaufnahme zum Hessischen Landesverein zur Erhaltung und Nutzung von Mühlen (HLM) einen Stein ins Rollen, der sich zu einer ehrenamtlichen Arbeitslawine entwickeln sollte.

Erich Seipp versicherte sich der Unterstützung des genannten Vereins in Person seines Vorstandsmitgliedes Karl-Heinrich Schanz, der fachlichen Beratung des Architekten Gustav Jung aus Bad Nauheim, des Einverständnisses des Eigentümers Manfred Britz und der organisatorischen Hilfe der Gemeindeverwaltung Niederdorfelden. Gemeinsam wurde die Sicherung des Kleinods Ölmühle vorangetrieben.


Einen rechtlichen Rahmen erhielt die Initiative mit der Gründung des Fördervereins Ölmühle Niederdorfelden e. V. durch 23 Personen am 6. September 2001 im Bürgerhaus Niederdorfelden.
Die finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, das Land Hessen, den Main-Kinzig-Kreis, die Gemeinde Niederdorfelden und weitere Sponsoren ist wahrlich nicht zu unterschätzen. Die eigentliche Aufbauleistung wurde jedoch von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern in Tausenden von Stunden einerseits durch schwere, ja mitunter gefährliche körperliche Arbeit, andererseits aber auch mit viel Spaß, Freude und Befriedigung erbracht. Der engagierte Einsatz wurde von sehr guter Planung und Organisation begleitet, ohne die alle Mühe womöglich im Chaos geendet hätte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leidenschaftlich wurde die Frage diskutiert, ob die Mahltechnik wieder in Betrieb genommen werden soll, was den Austausch vieler Originalteile erfordert hätte. Und würden Statik von Getriebe und Gebäude den neu erwachten Kräften standhalten? Nach sorgfältiger Beratung und Abwägung entschied der Förderverein sich für die Erhaltung der Originalteile und gegen deren Erneuerung, wobei finanzielle und wasserrechtliche Bedenken ebenfalls eine wichtige Rolle spielten. Als anschauliche Alternative wurde am Mühlentag 2008 ein Funktionsmodell im Maßstab 1:10 vorgestellt und in Betrieb genommen. Seit September 2008 wiederum wird in dem restaurierten Getreidemahlgang - allerdings mit Hilfe eines Elektromotors - Mehl produziert. Die Ölmühle Niederdorfelden erstrahlt nach der Restaurierung in neuem Glanz.