Mittwoch, 28. Juni 2017
Der Ölmahlgang Drucken

Der Ölmahlgang gilt als Herzstück der Ölmühle. Er besteht aus zwei Verarbeitungsprozessen. Dem Kollergang und der Stempelpresse.

Überblick

Mit Hilfe des Ölmahlganges wurde in dieser Mühle vor über 200 Jahren aus Ölfrüchten wie Raps, Leinsamen, Bucheckern, Sonnenblumen und Walnüssen Pflanzenöl gewonnen. Um das Pflanzenöl aus den oft sehr harten Früchten auspressen zu können, waren mehrere Arbeitsschritte notwendig. Zunächst mussten die Fruchtschalen im Kollergang [1] aufgebrochen werden. Der Kollergang wird über die Nockenwelle [3] vom Korbrad [4] angetrieben. Die dabei entstandene Ölmaische wurde in Leinensäckchen [5] abgefüllt, und anschließend in der Stempelpresse [2] ausgepresst.

techn. Zeichnung des Ölmahlganges

 
Der Kollergang

Der Kollergang mit seinen beiden mächtigen Läufersteinen [6], mit einem Gewicht von je einer Tonne, wird in eine vertikale Rotation versetzt. Die beiden Läufersteine, die sich auf dem Bodenstein [7] abstützen, drehen sich dabei um die eigene Achse und um die vertikale Kollergangwelle [8]. Das Mahlgut wird in den Mahltrog [9] geschüttet. Der mitlaufende Leitschieber [10] befördert das Mahlgut immer wieder zwischen den Bodenstein und die Läufersteine, wobei es zur Maische zermahlen wird. Die beiden Abstreifschieber [12] dienen zum abkratzen der auf den Läufersteinen klebenden Maische. Ist das Mahlgut ausreichend zermahlen, wird die Maische in Leinensäckchen abgefüllt. Dazu muss der erste Leitschieber [10] angehoben und der zweite Leitschieber [11] abgesenkt werden. Dieser befördert die Maische nach außen und durch eine Öffnung [13] im Mahltrog in die Leinensäckchen.

 

techn. Zeichnung des Kollergangs

 
Die Stempelpresse

In der Stempelpresse wird das Pflanzenöl aus der Maische ausgepresst. Zwei mit Maische gefüllte Leinensäckchen [5] werden dazu links und rechts neben die Holzkeile in den Pressbalken [14] platziert. Der Schlagstempel [15] wird durch die beiden Nocken [16] der Nockenwelle [3] angehoben und auf den Presskeil [18] fallen lassen. Dieser wird dadurch immer tiefer eingetrieben. Es entsteht ein enormer Druck auf die Leinensäckchen, das Öl fließt aus der Maische über 2 Röhrchen [19] in die beiden Auffangbehälter [20]. Um den Presskeil wieder lösen zu können, wird zunächst der Schlagstempel über den Seilzug [21] und den Arretierstab [22] in seiner obersten Stellung arretiert. Anschließend wird der Schagstempel nach links gekippt und die Arretierung wieder aufgehoben. Nun schlägt der Schlagstempel den Lösekeil [23] in den Pressbalken, der Druck löst sich, und der Presskeil kann wieder herausgenommen werden. Dieser Pressvorgang kann mehrmals mit derselben Maische wiederholt werden. Allerdings muss vor jeder neuen Pressung die Maische auf einem Ofen erhitzt werden. Die Ölqualität und die Ergiebigkeit nimmt zwangsläufig nach jedem neuen Pressvorgang ab. Das Öl der letzten Pressung wird überwiegend als Schmieröl bzw. -fett verwendet.